Maschinenbau in Mecklenburg wächst 2020 gegen den Trend

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Das Auslandsgeschäft der Maschinen- und Anlagenbauer in Mecklenburg-Vorpommern legte 2020 kräftig zu. Das führte zu einem höheren Gesamtumsatz und zu einer noch nie dagewesenen Exportquote.

  • Gesamtumsatz höher als im Vorjahr
  • Großaufträge sichern starkes Auslandsgeschäft
  • Landespolitik darf im Wahljahr nicht nachlassen

 

Ein überdurchschnittlich starker Dezember hat dem Maschinen- und Anlagenbau in Mecklenburg-Vorpommern ein sehr gutes Jahr 2020 beschert. Entgegen dem Branchentrend steigerten die Unternehmen ihren Gesamtumsatz und die Mitarbeiterzahl. Das geht aus den Daten des Statistischen Amtes Mecklenburg-Vorpommern für Firmen mit mindestens 50 Mitarbeitern hervor.

Demnach verkauften die 34 statistisch erfassten Unternehmen Maschinen, Anlagen, Komponenten und Services im Wert von knapp 2,3 Milliarden Euro. Das war ein Plus von 4,8 Prozent oder 104 Millionen Euro gegenüber 2019. "In den vergangenen Jahren haben die Umsätze im Jahresverlauf häufig sehr geschwankt und im Dezember kräftig zugelegt. Mit solch einem positiven Ergebnis in dieser turbulenten Zeit habe ich dennoch nicht gerechnet", sagt Oliver Köhn, Geschäftsführer des VDMA Ost. Zu hoch hängen will er den Erfolg jedoch nicht, da ein Sondereffekt die Jahresbilanz beeinflusste. Die Statistik 2020 wies drei Betriebe mehr aus als 2019.

 

Immer mehr Produkte gehen ins Ausland

Entscheidend für das Umsatzplus war das erfolgreiche Auslandsgeschäft. Die Firmen erwirtschafteten mit Aufträgen ausländischer Kunden 1,67 Milliarden Euro – ein Zuwachs von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der zweithöchste Wert aller Zeiten. Nur 2017 exportierten die Betriebe mehr Produkte (1,74 Milliarden Euro). "Möglich wurde das auch durch Großaufträge einzelner Betriebe. Davon hatte die Branche bereits im Vorjahr profitiert", erläutert Köhn. 53 Prozent des Auslandsumsatzes erzielten die Betriebe mit Aufträgen aus der Eurozone.

Die Inlandsnachfrage schrumpfte hingegen. Der Binnenumsatz sank um 8 Prozent auf etwa 600 Millionen Euro. Das wirkte sich auf die Exportquote aus: Der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz kletterte von zuletzt 69,8 Prozent auf 73,6 Prozent. Damit gingen 2020 fast drei Viertel aller Produkte ins Ausland, so viele wie noch nie. Zudem behaupteten die Maschinenbauer aus Mecklenburg-Vorpommern im ostdeutschen Branchenvergleich ihre Position als Exportchampion. Zum zweiten Mal in Folge ließen sie die exportstarken Berliner Firmen hinter sich (67,1 Prozent).

 

Mitarbeiterzahl steigt weiter

Ebenfalls nach oben zeigte die Beschäftigungskurve. In den Firmen mit mindestens 50 Mitarbeitern arbeiteten im Jahr 2020 durchschnittlich 6.557 Menschen. Das war ein Plus von 5,3 Prozent oder etwa 330 Beschäftigten gegenüber 2019. "Diese Entwicklung wurde zwar durch den statistischen Effekt von mehr erfassten Betrieben begünstigt, trotzdem lässt sich ein klarer Aufwärtstrend beobachten. Die Mitarbeiterzahl ist seit 2017 kontinuierlich gestiegen. Letztmals fanden Anfang der 1990er-Jahre mehr Menschen ihre berufliche Heimat in der Branche", erklärt Köhn.

 

Schwierige Prognose für 2021

Auch wenn sich die Branche bisher gut durch die Coronavirus-Pandemie manövrieren konnte, ist Köhn beim Blick auf 2021 vorsichtig. "Einerseits sind die Betriebe unterschiedlich stark betroffen. Andererseits ist eine konkrete Prognose schwierig. Wir können nicht einschätzen, wie lange uns die Pandemie begleiten wird", sagt Köhn. Erfolgsentscheidend sei in den kommenden Wochen und Monaten, welche Bedeutung die Politik der Industrie beimisst. „EU-weit einheitliche Grenzregelungen würden zum Beispiel helfen, die Unsicherheit bei Herstellern und Kunden abzubauen“, betont er. Die Aussicht auf zuverlässigere Handelsbeziehungen mit den USA sowie das gut angelaufene China-Geschäft stimmen Köhn indes optimistisch.

 

Im Wahljahr darf es keinen Stillstand geben

Darüber hinaus appelliert Köhn an die Landespolitik, zentrale Standortfaktoren weiter zu verbessern. "Auch im Wahljahr 2021 darf es keinen Stillstand geben! Der Maschinen- und Anlagenbau wird nur nachhaltig erfolgreich sein, wenn die Digital- und Verkehrsinfrastruktur weiter ausgebaut werden und die Energiepreise konkurrenzfähig sind", unterstreicht der Geschäftsführer.

Dauerthema ist zudem die überbordende Bürokratie. "Die Unternehmen beklagen einen stark zunehmenden personellen und finanziellen Aufwand, um die steigende Zahl an Verordnungen erfüllen zu können. Es ist zwingend notwendig, die vielfältigen innerbetrieblichen Berichts- und Dokumentationspflichten zu erleichtern und das Zollrecht zu verschlanken", bekräftigt Köhn. Er fordert, dass sich das Land in diesen Punkten auf Bundesebene für die regionale Wirtschaft einsetzt.

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