2020 dickes Umsatzminus für Maschinenbauer in Sachsen-Anhalt

Shutterstock

Die Coronavirus-Pandemie und der sektorale Strukturwandel haben 2020 tiefe Spuren hinterlassen und die gute Entwicklung der vergangenen Jahre scharf ausgebremst.

  • Gesamtumsatz schrumpft um 12 Prozent
  • Außenhandel so schwach wie zuletzt 2012
  • Beschäftigung nur noch knapp über 12.000er-Marke

 

2020 war kein gutes Jahr für die Maschinen- und Anlagenbauer aus Sachsen-Anhalt. Der Umsatz schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent. Deutlich gesunken ist auch die Mitarbeiterzahl. Das geht aus den Daten des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt hervor.

Demnach verkauften die 71 statistisch erfassten Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern Maschinen, Anlagen, Komponenten und Services im Gesamtwert von etwa 2,1 Milliarden Euro. Das ist ein Minus von 11,6 Prozent beziehungsweise 280 Millionen Euro gegenüber 2019. "Die Coronavirus-Pandemie und der sektorale Wandel haben tiefe Spuren hinterlassen und die gute Entwicklung der vergangenen Jahre scharf ausgebremst", sagt Oliver Köhn, Geschäftsführer des VDMA Ost.

Zwischen 2010 und 2018 hatte der Umsatz um insgesamt 40 Prozent zugelegt. 2019 gab es einen leichten Knick, auch, weil die Statistik weniger Betriebe erfasste. "Das aktuelle Ergebnis wirft die Branche nun aber um Jahre zurück. Letztmals erwirtschafteten die Firmen 2012 einen ähnlich niedrigen Umsatz", erklärt Köhn. Im ostdeutschen Branchen-Ranking rutschte Sachsen-Anhalt auf Platz vier ab – hinter Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.

 

Inlandsgeschäft lässt stark nach

Maßgeblich für den hohen Umsatzeinbruch war das schwache Inlandsgeschäft. Aufträge deutscher Kunden spielten reichlich 1,1 Milliarden Euro ein – das waren 18 Prozent oder 247 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. "Dies ist besonders gravierend, da die Binnennachfrage der Anker des Maschinenbaus in Sachsen-Anhalt ist", erläutert der Landesverbandsgeschäftsführer. Zugleich verdeutliche die Entwicklung, wie stark sich der Strukturwandel in Automobilindustrie und Energiesektor auf die Wirtschaft einer Region auswirken kann. Auch in Sachsen-Anhalt sind betroffene Teilbranchen beheimatet, darunter Hersteller von Werkzeugmaschinen und Fördertechnik.

 

Auslandsumsatz nach langer Zeit wieder unter 1 Milliarde Euro

Im Auslandsgeschäft stand ein Minus von reichlich 3 Prozent in den Büchern. Der Umsatz sank um 32 Millionen Euro auf 988 Millionen Euro. "Das klingt nach einem moderaten Rückgang, entspricht aber dem schlechtesten Wert seit 2012. In dem Jahr wurde letztmals die Marke von 1 Milliarde Euro unterschritten", erläutert Köhn. Als Gründe nennt der Geschäftsführer die schon lange schwelenden internationalen Konflikte und die Restriktionen infolge der Coronavirus-Pandemie. So konnten viele Betriebe aufgrund der Reise- und Quarantänebestimmungen Maschinen nicht oder nur verzögert ausliefern, Anlagen nicht in Betrieb nehmen oder Serviceverträge nicht erfüllen.

Da die Binnennachfrage deutlich stärker zurückging als der Außenhandel, erhöhte sich die Exportquote gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent auf 46,6 Prozent. 42 Prozent der exportierten Waren gingen in Länder der Europäischen Union.

 

Beschäftigung sackt ab

Als Folge der Konjunkturentwicklung zeigte 2020 auch die Beschäftigungskurve steil nach unten. In den Betrieben mit mindestens 50 Mitarbeitern arbeiteten durchschnittlich etwa 12.170 Menschen. 2019 waren es 5,4 Prozent beziehungsweise 690 Frauen und Männer mehr.

 

2021 bleibt herausfordernd

Beim Blick auf 2021 ist Köhn vorsichtig. "Eine konkrete Prognose ist schwierig. Wir können nicht einschätzen, wie lange uns die Pandemie begleiten wird. Wichtig ist, die Unsicherheit bei Herstellern und Kunden abzubauen. Entscheidend dafür wird sein, welche Bedeutung die Politik der Industrie beimisst", betont er.

Wichtig sei zudem, dass das Land Sachsen-Anhalt zentrale Standortfaktoren wie den Ausbau der digitalen Infrastruktur noch intensiver vorantreiben muss. Weiter herausfordernd bleibt der sektorale Strukturwandel. Die Aussicht auf zuverlässigere Handelsbeziehungen mit den USA sowie das gut angelaufene China-Geschäft stimmen den Geschäftsführer indes positiv.

Downloads